Leben heißt Veränderung – hab ich den Mut?

Sprungturm - Leben heißt Veränderung

jerry retro camper

 der Retro Camper

Leben heißt Veränderung

Am Ende des Lebens weinst Du nicht um die Fehler, die Du gemacht hast, sondern über das was Du nicht getan hast

… und auf einmal war alles anders.

Wie so viele Menschen war ich im beruflichen Alltag verhaftet. 45-50 Stunden in einem verantwortlichen, beruflichem Arbeitsfeld und immer kamen neue Herausforderungen beruflich, wie privat hinzu. Ich lebte alleine und war für mich selbst verantwortlich. Mein Leben bot mir sehr viele Höhen und zu viele Tiefen,  viel Arbeit, ehrenamtliches Engagement und einiges an Freizeitaktivitäten.

Aber das Leben schien wohl noch anderes mit mir vor zuhaben.

Ich sollte mich noch einmal verlieben und zwar so sehr, dass ich bereit war, mein Leben neu zu überdenken und es zu verändern.

In meinem bis dahin so stereotyp und Stress- und Ereignissreich verlaufendem Leben, welches maßgeblich von außen geprägt war, gab es nun eine Wende.

Aber alles der Reihe nach.

Familie und Arbeit

Wie so viele Menschen hatte auch ich eine Vorstellung von meinem Leben. Jedoch wurden meine Lebensentwürfe immer wieder durch unschöne Ereignisse  über den Haufen geworfen. Ich sah mein Glück im verheiratet sein, mit Haus, Garten, Kindern und Urlaub. Also das, was mir von meinen Eltern und Großeltern vorgelebt wurde und wie so viele Menschen auch in meinem Freundeskreis leben. Ich gab mich in finanzielle Abhängigkeiten in den Ehen, um für die Familie da zu sein. Für mich schien das Modell zu Hause zu bleiben vermeintlich „richtig“ zu sein. Karriere oder Selbstverwirklichung waren für mich in der Zeit kein Thema. Ich suchte mir immer meine Nischen, damit ich mich in Teilen verwirklichen konnte. Letztendlich habe ich immer neu beginnen müssen. Die Ehen haben nicht gehalten und meine Träume sind bitter zerplatzt. Zwei Scheidungen und der plötzliche Tod eines Lebenspartners führten immer wieder zu dem Verlust meines „zu Hauses“ und meiner Lebensplanung. Jedes mal hatte ich mich entschieden mit meinen Kindern zu meinen Lebenspartnern zu ziehen.

Nun sind die Kinder erwachsen und leben ihr eigenes Leben. Sie sind mein ganzer Stolz.

Und jetzt bin ich eigentlich mal dran.

Schon früh in meinem Leben war ich auf mich selbst gestellt. Immer wieder galt es für mich ein neues zu Hause zu finden und mich neu aufzustellen. Wieder alleine, traf ich im letzen Jahr die nicht risikofreie Entscheidung eine Wohnung zu finanzieren, um dort endlich anzukommen.

Meine berufliche Karriere habe ich bis zuletzt immer zu Gunsten der Familie zurückgestellt. Mit selbständiger Tätigkeit, einem Minijob und dem Kindergeld habe ich mich Jahre lang über Wasser gehalten. Vor wenigen Jahren, kurz bevor ich fünfzig wurde, bekam ich dann zum ersten Mal eine Chance einer Festanstellung in einer Führungsposition. Endlich, dachte ich. Versorgt durch das regelmäßige, feste Gehalt und keine Ungewissheit mehr bei Krankheiten. Jedoch nach kurzer Zeit merkte ich, dass die Aufgaben nicht zu bewältigen waren und immer mehr wurden. Mit der regulären Arbeitszeit kam ich nicht mehr klar. So wurde ich nach und nach unzufrieden. Ich hatte die Wahl; entweder eine 50 Stunden Woche und ich habe so einigermaßen alles geschafft mit entsprechender Müdigkeit am Wochenende. Oder ich habe etwas weniger Stunden gearbeitet und war am Wochenende nur unzufrieden mit mir. Beides Zustände, die weder meiner Gesundheit noch meinem Leben mit meinem neuen Partner gut taten. Mein ereignisreiches Leben, immer wieder aufstehen und neu beginnen, steckten mir ja auch noch im Körper und tun ihr Übriges.

Und immer wieder machte sich mein Körper bemerkbar. Aber natürlich habe ich alle typischen Signale überhört oder möglichst ignoriert.

Nur gemeinsam mit meinem Partner wurde mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann.

Meine Arbeit macht mich krank!

Mein Glück in der Liebe würde ich verlieren, wenn ich so weiter mache und krank würde ich auch werden, wenn ich es nicht schon längst war. So liegt es eigentlich auf der Hand, aus der Arbeit aus zu steigen und das Karussell an zu halten, Ruhe in mein Leben zu bringen. Nur so einfach ist das natürlich nicht. Alles hinter sich lassen und ganz anders und neu zu beginnen. Nur das ist der einzige Weg zu gesunden. Eine neue Arbeit würde den Zustand nur verschleppen.

Abstand suchen, zu sich zu finden, frei und selbst bestimmt zu sein, heißt der Weg, Veränderung ist angesagt.




 

Prägung des Lebens

Wie viele andere auch, wurde ich maßgeblich von meinem Elternhaus und den Erfahrungen meines Lebens geprägt.

Wer kennt sie nicht, die Weisheiten für ein Leben:

  • erst die Arbeit, dann das Vergnügen
  • leben, um zu arbeiten, nicht umgekehrt
  • als „Faulenzer“ dazu stehen, wenn ich mich für eine selbst bestimmte und selbst finanzierte Form aber andere Form (Konformität) des Lebens entscheide
  • was denken die anderen über mich?
  • Wovon willst Du im Alter leben?
  • All den Komfort aufgeben für ein Vagabundenleben?
  • Liebe macht nicht satt etc.
  • Ich könnte noch beliebig weiter Sprüche anführen.

 

Auszeit, Ausstieg, auf zu neuen Ufern, das Leben verändern, sind auf einmal Themen mit denen ich mich noch nie aus Angst vor mir selbst und dem fehlenden Mut beschäftigt habe. Den festen Wohnsitz, den ich gerade erst erworben hatte, ruhen zu lassen und mein Leben mobil zu gestalten? Und immer wieder diese quälenden Gedanken.

Gedanken über Gedanken

Stets und ständig mache ich mir Gedanken über alles mögliche, rauben mir den Schlaf. Und im Moment sind es  natürlich die Gedanken über das, was kommen wird. Über die Entscheidung, die ich getroffen habe. Ein ständiges Hin und Her, Auf und Ab. Die Freude über das, was mich erwarten wird, das was ich erleben darf, wird immer wieder von den vielen Bedenken reichen Gedanken eingetrübt.

Ich neige dazu alles perfekt machen zu wollen. Also halbe Sachen sind überhaupt nicht meins. Perfekt heißt für mich 120 Prozent. Aber auch 80 Prozent können schon ziemlich perfekt sein. Nur bin ich leider viel zu selten zufrieden damit. Für Außenstehende kaum nach zu vollziehen, denn mein Wunsch nach Perfektion hindert mich daran, zufrieden mit mir und meinem Leben zu sein. Ich sehe zu wenig, was ich bereits geschafft und erschaffen habe und was ich alles kann. Ich sehe immer nur, dass noch mehr möglich ist. Mit dieser Denk- und Handlungsweise nehme ich mir so viel Genuss vom Leben und setze mich selbst sehr oft unter Stress und Druck. Ich bin sooft in der Vergangenheit oder in der Zukunft unterwegs. Ich sehe was war oder was noch möglich sein könnte und beachte nicht das jetzt. Dadurch habe ich total verlernt den Blick auf das heute, das hier und jetzt zu legen. Jede Minute zu genießen, als ob es die letzte wäre.

Doch habe ich allen Grund glücklich zu sein. Auch wenn mein Leben sehr turbulent bis dahin verlaufen ist, ich oft wieder aufstehen und neu beginnen musste, so hat das Leben es doch sehr gut mit mir gemeint. Meine innere Stärke, woher sie auch immer kommen mag und eigentlich das Wissen, dass ich nicht untergehen werde in den Wirrungen des Lebens, sollten mich doch stark gemacht haben. Irgendwie habe ich diese Stärke, nur verliere ich sie immer wieder und so bin ich  auch sehr oft unsicher im Leben. Gerade für Entscheidungen, die ich für mein Leben treffe. Ich entmutige mich selber, weil ich zu viele pessimistische Gedanken habe und zu wenig an mich selbst glaube.

Im Moment meide ich bewusst den Kontakt zu den üblichen Bedenkenträgern. Auch weiß noch niemand von meinem Vorhaben, damit ich mich nicht ständig rechtfertigen muss. Denn sie sagen ja genau das, was meine Bedenken sind. Aber welche Chancen in meinem neuen Leben stecken, wird gar nicht gesehen und in Betracht gezogen. Welch Glück ich habe, einen so liebevollen, kreativen und optimistischen Partner gefunden zu haben. Der mich trägt und mit dem ich alles wagen und dem ich voll vertrauen kann. Mit dem sich ganz neue Türen öffnen.

Ich tue mich so unendlich schwer mein Glück zu sehen, es zu zulassen und es zu leben.

Warum verbiete ich mir eigentlich glücklich zu sein? 

Ich denke, es sind die alten Prägungen und die vielen negativen Erfahrungen in meinem Leben. Und die damit tief verwurzelte Angst wieder alles auf eine Karte zu setzen und am Ende außer Erfahrung nichts gewonnen zu haben. Aber ich möchte die alten Zöpfe abschneiden und los werden. Nur braucht es Zeit und Geduld mit mir selbst und natürlich Mut das Neue zu zulassen. Und zu erfahren, dass es gut wird. Viel stärker sollte ich an meine Fähigkeiten glauben. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt stehe. Und ich bin ja auch nicht mehr alleine. Gemeinsam mit meinem Partner bin ich nun keine Einzelkämpferin mehr. Auch das fällt mir schwer zulassen und es umzusetzen, da ich ja den größten Teil meines Lebens alleine für mich und meine Kinder gesorgt habe.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich mich ganz bewusst dazu anhalten muss, mein Glück zu sehen. Immer wieder! Endlich die Bedenken beiseite zu schieben und „einfach“ zufrieden und glücklich mit all dem zu sein, was mein Leben mir so schenkt. Ich darf wieder träumen und die Träume müssen keine Träume bleiben. Durch die Entscheidung mein Leben selber in die Hände zu nehmen und mobil unterwegs zu sein, eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Ich richte meinen Blick auf das, was ich bekomme und nicht auf das was ich „möglicherweise“ verliere. Immer wieder halte ich mich dazu an. Denn letztendlich verliere ich ja nichts. Ich gewinne Freiheit, Selbstbestimmtheit, maximale Unabhängigkeit im Rahmen meiner und natürlich der gesetztichen Möglichkeiten.

Ich freue mich auf alles, was da kommen mag. Auch, wenn sich die Bedenken immer wieder versuchen durch zu mogeln. Ich weiß, dass ich das kann. JETZT hat das Leben mir die Chance eröffnet, mich neu auszurichten. JETZT hat es mich verlieben lassen und JETZT bietet es mir neue Perspektiven. Und dazu muss ich sie JETZT ergreifen und umsetzen. Denn am Ende meines Lebens weine ich nicht um die Fehler, die ich gemacht habe, sondern um die Chancen, die ich verpasst habe, weil mir der Mut gefehlt hat.

 

Mut zur Veränderung

Zuerst war diese Idee sehr befremdlich für mich, da ich sehr konservativ geprägt bin und nur in ganz kleinem Rahmen wagte mal nicht konform zu sein. Je intensiver ich mich mit dem mobilen Leben beschäftige, um so reizvoller und spannender finde ich diese Idee. Aber natürlich kommen immer diverse Einwände auf, die mir sehr viele unruhige und schlaflose Nächte, sowie diskussionsreiche Tage bescheren.

  • wie lebt es sich in einem Wohnmobil?
  • lässt sich das Leben dort finanzieren?
  • Alltagsgestaltung (Kochen, Wäsche, Zeit verbringen)?
  • wie behalten wir den Komfort, den wir für uns als sinnvoll und wichtig definiert haben?

 

Neuorientierung – das Leben ändern

Aber als allererstes fragte ich mich, warum sollte ich hier alles hinter mir lassen, um neu zu beginnen?

Wir alle haben nur ein Leben und Leben heißt Veränderung.

In der Regel wird unser Leben von außen maßgeblich bestimmt und wir haben nur temporär Möglichkeiten es mit zu gestalten. An den Wochenenden, nach Feierabend und im Urlaub. Ich habe mich ganz viel von außen steuern lassen. Das ist wohl meiner Prägung in der Erziehung geschuldet. Immer musste ich mich bemerkbar machen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Ja und diese Muster habe ich mir angeeignet, mich verloren und so von außen leiten lassen. So, dass ich ganz vergessen habe, dass ich auch ich selber bin, eine eigene Meinung habe, die ich niemand erklären muss.

Warum muss ich mich eigentlich ständig rechtfertigen?

Umso schwieriger ist es jetzt, wo ich in der Mitte meines Lebens angekommen bin, endlich MEINE Bedürfnisse zu zu lassen, meine Wünsche und Gedanken umzusetzen. Mich endlich davon frei machen, was andere über mich denken und sagen. MICH und meine Gedanken an zu nehmen. Der Wunsch frei zu sein von den Fesseln des modernen Sklaventums „Arbeit“ und frei von dem schlechten Gewissen, sich für andere engagieren zu müssen. Mein Leben in meine Hand zu nehmen und das Wissen, das jedes Leben endlich ist, haben den Entschluss reifen lassen, JETZT und zwar genau JETZT, mein Leben zu verändern.

Nicht zuletzt auch meinem neuen Partner geschuldet. Mit dem es mir möglich ist gemeinsam zu träumen und neue Wege zu beschreiten. Ich kann es nicht oft genug sagen „Leben heißt Veränderung“. Stillstand bedeutet Tod. Obwohl ich mich erst einige Monate damit beschäftige, möchte ich nicht weitere Zeit verlieren, in dem ich alle Bedenken und mögliche Konsequenzen überdenke und zerrede. Ich muss es jetzt tun, sonst werde ich es nie tun!

Wie bereits erwähnt, kostete und kostet dieser Entschluss viele schlaflose Nächte, Tränen und lange Gespräche. Aber ich bin ja nicht mehr alleine.

Ein fixer Termin musste für mich her, denn ich kenne mich gut genug, dass mich der Mut verlassen würde, wenn das neue Leben nur unbestimmt angedacht wäre.

Sprungturm - Leben heißt Veränderung

Ich habe das Bild von mir im Kopf in einem Freibad auf dem 5m Turm zu stehen. Je länger ich nach unten schaue, desto unsicherer werde ich. Obwohl ich genau weiß, ich kann das und mir wird bei einem Sprung nach unten nichts passieren, da ich alles genau durchdacht habe und mir klar war, wie es geht.

Also springen!

Und genau das möchte ich jetzt eigentlich tun. Leben heißt Veränderung

und wo könnte ich weicher landen, als in Jerry, dem Wohnmobil, welches glücklicherweise meinem Lebenspartner gehört. So liegt es nahe, den Ausstieg in ein  mobilen Lebens zu überdenken.

kleinbus wohnmobil

… mehr in Kürze

Lesenswertes zum Thema Aussteigen von Mischa Miltenberger

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